Königsfarne am Wasserfels bei Kirkel – uralte Vorkommen noch immer aktuell präsent

Datum: 

27.07.2022
Königsfarne am Wasserfels bei Kirkel – uralte Vorkommen noch immer aktuell präsent

Ort: 

Kirkel, Wasserfels
Königsfarn (Osmunda regalis) am Wasserfels bei Kirkel. Foto: Anita Naumann
Königsfarn (Osmunda regalis) am Wasserfels bei Kirkel. Foto: Anita Naumann
Königsfarn (Osmunda regalis) am Wasserfels bei Kirkel. Foto: Anita Naumann
Königsfarn (Osmunda regalis) am Wasserfels bei Kirkel. Foto: Anita Naumann

Vorkommen des Königsfarns, Osmunda regalis L., am oder im Gebiet des Wasserfelsens bei Kirkel, Saarpfalzkreis, waren schon Hieronymus Bock bekannt, der sich dazu in seinem „Kreütterbuch“ äußert (Bock 1577, Nachdruck 1964, Seite 194, Erstausgabe 1539, letzte Ausgabe 1630: „Diese Farnstengel werden nit braun / bleiben grün / würt selten gefunden. Im Waßgaw / gegen dem Berghauß Circul / findet man den selben großßen Farn in den hohen Wäldern. Dieser Farn ist der allerschönst und lieblichst under allen Farnkreutern / von farben und gestalten.“ Aufmerksam gemacht haben uns auf H. Bock F.-J. Weicherding (pers. Mitt.) und P. Steinfeld mit seinem Artikel „Aus dem Kräuterbuch von Hieronymus Bock (1498-1554), (Steinfeld 2021). Das oben zitierte „Kreütterbuch“ von Bock wurde zwar erst 1577 gedruckt, nach Steinfeld (pers. Mitt.) kam das erste Buch aber schon 1539 in Druck. Demnach war Bock schon vor der Mitte des Sechzehnten Jahrhunderts die Existenz des Königsfarns bei Kirkel bekannt. Auch Reichert (1987) berichtet von Bocks Königsfarn-Kenntnis bei Kirkel.

Etwa 200 Jahre später wuchsen Königsfarne hier noch immer wie Schultz in seiner „Flora der Pfalz“ (Schultz 1846) folgendermaßen feststellt: „Feuchte und sumpfige Stellen in Wäldern, besonders auf etwas torfhaltigen Böden oder an feuchten Felsen, an Quellen und an Stellen, wo Sphagnum wächst, in der Vogesensandsteinformation an vielen Orten, z. B. an den Tropffelsen! bei Kirkel   “.

Zwischenzeitlich wurden Königsfarne immer mal wieder im Gebiet des Wasserfelsens beobachtet. So berichtete dem Erstautor z. B. Herr Dillenkofer, ein sehr an der Natur, insbesondere an Pflanzen, interessierter St. Ingberter Bürger, Ende der 70er Jahre immer mal wieder von Königsfarn-Beobachtungen am Wasserfels. Später schreibt Sauer (1993) dazu: „Vom Aussterben bedroht. An dem schon F. Schultz (1846) bekannten Fundpunkt am Wasserfels bei Kirkel nur noch zwei kümmerliche Exemplare“. Auch F.-J. Weicherding sind diese Fundstellen seit Langem bekannt. Er schreibt dazu (pers. Mitt.): „Am 30.06.1990 war ich dort zum ersten Mal, am 12.08.2015 war mein letzter Besuch dort.“ In diesen 15 Jahren hat er dort im Hang im unmittelbaren Bereich des Wasserfelsens immer wieder Königsfarn-Exemplare gesehen, 1990 die meisten: 11 Stöcke mit vielen Wedeln, davon 5 fertil, bis 1,5 m lang. Danach gingen die Zahl der Stöcke, die Fertilität und die Länge der Wedel nach seinen Beobachtungen nach und nach zurück, am 12.08.2015 waren es nur noch 6 sterile Stöcke mit 1-3 Wedeln.

Nach unserer Kenntnis wurde dort danach bis 2021 nicht mehr nach Königsfarnen gesucht. Insgesamt gab es also mal mehr, mal weniger Jahre, in denen der Farn in diesem Gebiet entweder nicht gesehen wurde oder man hat nicht danach gesucht.

Im November 2021 entdeckte unser Mitautor M.A. bei einer Exkursion mit A.N. und H.Z. direkt am Wasserfelsen einen kleinen Stock des Farns bei den Koordinaten 49,28327N; 7,24262E, 6709/115, 317 m. Am 28.07.2022 wollten der Erstautor und die Mitautorinnen A.N., A.M. und L.S. nachsehen, ob dieser Stock noch da ist. In der Tat wuchs er frisch und in gutem Zustand noch an der gleichen Stelle direkt am Wasserfels (Abb. 1, Anita Naumann). Es sind in diesem Jahr 4 sterile Wedel, bis zu 20 cm lang. Im letzten Jahr waren es 8 sterile Wedel. Der Wasserfels ist trotz der langen Trockenheit und großen Hitze immer noch feucht und an manchen Stellen tropft sogar Wasser aus der Wand. In der Nähe wächst am Fels reichlich fertiler Rippenfarn, Blechnum spicant und Bergfarn, Thelypteris limbosperma, der Fels ist dicht mit dem thallösen Lebermoos Pellia epiphylla bewachsen.

Wir fragten uns, wie dieser Stock an diese Stelle kommt, wenn in der Nähe keine Königsfarn-Exemplare stehen und wenn aus Gärten ausgebüxte Exemplare extrem unwahrscheinlich sind, weil Königsfarne bei uns kaum in Gärten gehalten werden.

Also kletterten wir den Steilhang neben dem Wasserfels hoch. Der Hochwald mit Buchen und Waldkiefern im Gebiet ist extrem trocken, keine Chance für Königsfarne zu wachsen. Nur direkt im Bereich des Wasserfelsens, also dort, wo sich eine unterirdische Wasserader hinzieht, ist der Waldboden immer noch feucht genug, worauf z. B. größere Mengen des Laubmooses Leucobryum glaucum, des Rippenfarns, von Heidelbeerbüschen (die sonst im angrenzenden Wald fehlen!), Pfeifengras, Molinia caerulea, und an einer Stelle etwa ein dm² des Torfmooses Sphagnum palustre hinweisen. Beim Herantreten an den Rand des obersten Felsvorsprungs konnten dann darunter, ebenfalls auf einem Vorsprung, von oben im Schatten hoher Bäume weitere Königsfarnexemplare erkannt werden. Wir kletterten vorsichtig zu ihnen herunter. Die ersten wachsen dort auf einer Fläche von ca. 2 m² bei 49,28341N; 7,24294E, 340 m, und es handelt sich um 7 Farnstöcke, 2 davon mit je 1 Wedel, 4 mit je 2 Wedeln und einer mit 4 Wedeln, davon einer fertil (siehe Foto, roter Pfeil: Sporangien-tragende Seitenfiedern bereits vertrocknet!). Die längsten Wedel sind hier etwa 1 m lang und sehen gesund und kräftig aus. Diese Exemplare stehen also höchstens 20 m oberhalb des Stocks am Wasserfels, sodass man sich leicht vorstellen kann, dass Sporen aus dieser Gruppe - vor wie vielen Jahren auch immer - in eine Felsritze verfrachtet worden und dann zu dem jetzt beobachteten Stock herangewachsen sind.

Neben dieser Gruppe steht etwas weiter oberhalb, auch am Fuß eines Felsens, ein weiterer kräftiger Stock mit 3 sterilen Wedeln bei 49,28342N; 7,24318E.

Sofern sich im Gebiet am beschattenden Wald und an der Wasserader des Felsens nichts ändert, ist davon auszugehen, dass der Königsfarnbestand, nachdem er hier seit fast 500 Jahren bekannt ist, erhalten bleibt, sicher mit wechselnder Zahl an Stöcken und Wedeln.

Der saarländische Naturschutz und die Verantwortlichen des Biosphärenreservats Bliesgau sollten das Vorkommen im Auge behalten, damit nicht aus Unwissenheit zufällige negative Veränderungen im Umfeld veranlasst werden. Dem zuständigen Förster ist das Vorkommen bekannt.

Autor(en): 

Rüdiger Mues, Michael Altmoos, Anita Naumann, Annika Meierfels, Lara Sprenger, Holger Zeck

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