Delattinia News

Erster Nachweis von Lixus ochraceus Boheman, 1842 im Saarland

Datum: 

18.08.2018

Ort: 

NSG In Geiern nordöstl. Bietzen
Lixus ochraceus im NSG In Geiern
Lixus ochraceus im NSG In Geiern

Am 18.08.2018 kescherte ich im Naturschutzgebiet "In Geiern" östlich von Bietzen aus einem Wasserminzenbestand einen Käfer aus der Gattung Lixus mit auffälligem hellen Längsstreifen.  Martin Lillig konnte das Tier nach den Fotos als Lixus ochraceus bestimmen.

Im Saarland wurde diese Art bisher noch nicht beobachtet. Bundesweit gilt sie als "stark gefährdet".  Nur aus ca. 12 der 3000 bundesdeutschen Meßtischblättern liegen aktuelle Fundmeldungen vor. Die nächstgelegenen Fundorte zum hier vorgestellten Fund bei Bietzen liegen bei Bingen am Rhein und bei Weinheim am Rande der Oberrheinebene. 

 Als Futterpflanzen dienen vor allem Brassicaceen, aber auch Mentha suaveolens, was gut zum Vorkommen im NSG "In Geiern" passt. Minzen sind im dortigen Quellmoor reichlich vertreten. 

Autor(en): 

Aloysius Staudt

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2018: Bestandssituation des Königsfarns (Osmuna regalis) im Rotenbachquellgebiet und Schuster-Hannes-Bruch bei Bergen

Datum: 

19.07.2018

Ort: 

Bergen, Rotenbach, Schuster-Hannes-Bruch
Königsfarn (Osmunda regalis) im Schuster-Hannes Bruch. Foto: Th. Schneider, 19.07.2018
Königsfarn (Osmunda regalis) im Schuster-Hannes Bruch. Foto: Th. Schneider, 2018
Moorglöckchen (Wahlenbergia hederacea) im Schuster-Hannes-Bruch. Foto: Th. Schneider, 19.07.2018
Moorglöckchen (Wahlenbergia hederacea) im Schuster-Hannes-Bruch. Foto: Th. Schneider, 19.07.2018
Moorglöckchen (Wahlenbergia hederacea) (Blüten) im Schuster-Hannes-Bruch
Moorglöckchen (Wahlenbergia hederacea) (Blüten) im Schuster-Hannes-Bruch. Foto: Th. Schneider, 19.07.2018

Wir waren am 19.07.2018 wieder bei den Königsfarnen im Oberen Rotenbachtal und im Schuster-Hannes-Bruch.
Auch in diesem Jahr hat sich der Bestand höchst erfreulich entwickelt!
Im Oberen Rotenbachtal, im eingezäunten Bereich, fanden wir einen Stock mehr als 2017, also 8 Stöcke mit insgesamt 23 Wedeln, die meisten noch jung und deshalb sehr klein. An den beiden kräftigsten Stöcken sind die Wedel bis zu 90 cm hoch und 3 davon fertil, 2017 hatten wir hier keine fertilen Wedel beobachtet!
Für die Königsfarne im Oberen Rotenbachtal lässt sich also eine weitere Verbesserung der Bestandssituation feststellen!

Im Schuster-Hannes-Bruch sind die Königsfarn-Vorkommen nicht nur stabil, sie haben sich gegenüber 2017 auch vergrößert.
Im unteren, westlichen Bereich, wachsen im Zaun und außerhalb des Zauns zusammen 16 Stöcke mit 56 Wedeln, die längsten sind 1.20 m lang, 10 Wedel sind fertil. Ein Wildverbiss wurde in diesem Jahr an keiner Stelle außerhalb der Zäune festgestellt!
Im nördlichen Bereich konnten wir 20 Stöcke in und außerhalb des Zauns zählen, mit 45 Wedeln, die längsten bis 1.30 m hoch, fertil sind 28. Damit erhöht sich in diesem Jahr die Zahl der fertilen Wedel im Schuster-Hannes-Bruch auf 38.
Äußerst erfreulich ist, dass wir nur wenige Meter südlich der nördlichen Stelle zwei neue Vorkommen entdeckt haben: eins kaum 1 m südöstlich mit 1 Stock und 11 kleinen Wedeln, ein zweites 2 m südwestlich mit 4 Stöcken und insgesamt 19 Wedeln, die längsten bis 60 cm hoch, alle steril.
Auch die eingezäunten Königsfarn-Stöcke im östlichen Bereich sind wieder da. Wir konnten 4 Stöcke mit 21 Wedeln zählen, alle steril, die längsten 80 cm lang.

Demnach finden sich heute im Schuster-Hannes-Bruch räumlich deutlich getrennt voneinander, insgesamt 5 Königsfarn-Gruppen mit 45 Stöcken und 152 Wedeln. So viele Königsfarne gab es im Schuster-Hannes-Bruch seit vielen Jahren nicht mehr.

Es gibt wenige verlässliche Zahlen vor der Zeit, seit wir uns zusammen mit den beiden Förstern, Herrn Simon und Herrn Reinert, um die Farne kümmern.
So schreiben Breuer & Laska (1971) in einer Arbeit über die Verbreitung des Königsfarns in der Südwesteifel und im Hunsrück zum Gebiet um das Schuster-Hannes-Bruch: „7. Gemeindewald Scheiden. Abt. 2-4, MTB 6406 Losheim, 120 Stöcke. Die große Anzahl von Stöcken liegt in Gruppen verstreut an einem ausgedehnten Gebiet mit ausgesprochenem Bruchcharakter zwischen Greimerath, Scheiden und Bergen.“ Daraus geht nicht zweifelsfrei hervor, dass mit der Zahl von 120 Stöcken ausschließlich das Schuster-Hannes-Bruch gemeint ist, zumal wir ja auch Osmunda-Stöcke aus dem Oberen Rotenbachtal kennen. 

Herr Dr. H. Reichert (pers. Mitt.) kennt das Schuster-Hannes-Bruch mindestens seit Beginn der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts und nennt aufgrund seiner schriftlichen Aufzeichnungen z. B. als ein genau bekanntes Datum, an dem er im Bruch war, den 1. August 1973. An dem Tag glaubt er sich an etwa 20-30 Osmunda-Stöcke, ± gleichmäßig verteilt über das gesamte Bruch, zu erinnern und bezweifelt die große, von Breuer & Laska (1971) angegebene Zahl von 120 Stöcken für das Bruch. Fast die gleichen Beobachtungen wie Dr. Reichert hat auch Dr. E. Sauer (pers. Mitt.) ebenfalls in diesem Zeitraum im Bruch gemacht.

Der Merziger Botaniker Paul Haffner hat in den 1980er Jahren einem der Autoren diese News (Th. Schneider) von etwa 100 Osmunda-Stöcken im Schuster Hannes Bruch berichtet. Eigene Aufzeichnungen (Th. Schneider) aus dieser Zeit geben für die Lokalität Schuster Hannes Bruch an: "1983 ca. 40 Stöcke", für das Quellgebiet des Rotenbaches "1987: 8 Stöcke" und für das Rotenbachtal unterhalb der Mäschwieß "1983: noch ein Stock am Rotenbach". Die letztgenannte Lokalität liegt bereits im Minutenfeld-Raster 6406/313.

Noch eine weitere erfreuliche Nachricht aus dem Schuster-Hannes-Bruch: wir haben hier in den letzten Jahren im Zuge unserer aktuellen Moorglöckchen-Wahlenbergia-Kartierung immer wieder nach der hier von früher bekannten Art gesucht, sie aber nie gesehen. Bei unserem diesjährigen Besuch entdeckten wir dann zu unserer Verblüffung direkt vor der nördlichen Königsfarn-Gruppe einen sehr schönen Bestand in Vollblüte auf einer Fläche von etwa 50-60 m². Wir werden uns dazu in einem anderen Beitrag in den „News“ bezüglich der laufenden Wahlenbergia-Kartierung näher äußern.

Literatur: Breuer, K. & Laska, C. (1971). Die Verbreitung des Königsfarns (Osmunda regalis L.) (Pteridophyta: Osmundaceae) in der Südwesteifel und im Hunsrück (Reg.-Bez. Trier).- Decheniana 123 (Heft 1/2), 171-173.
 

 

Aktueller Nachweis der vom Aussterben bedrohten Wildbiene Hoplitis papaveris (syn. Osmia papaveris) in Saarlouis

Datum: 

19.06.2018

Ort: 

Saarlouis
Hoplitis papaveris, Beobachtung in Honzrath-Hellwies 2004
Hoplitis papaveris, Beobachtung in Honzrath-Hellwies 2004

Am 19.06.2018 bemerkte ich am Rande eines Getreidefeldes zwischen dem Friedhof "Neue Welt" in Saarlouis und der neuen Rettungswache zw. Beaumarais und Picard  (WGS84: 49.302093°N, 6.731267°E) einige Mohnpflanzen, bei denen große Stücke aus den Blütenblättern herausgeschnitten waren (s. Foto 1). Dies führte bei mir augenblicklich zu einem Anstieg des Adrenalin-Levels und zur völligen Einstellung der botanischen Aktivitäten, die mich eigentlich hergeführt hatten. Ich ging auf die Knie und begann, einem Verdacht folgend, der mir durch den Kopf schoss, nach kleinen Löchern im Sandboden zu suchen.

Bereits nach kurzer Zeit waren sie gefunden: die mit Mohnblütenblättern ausgekleideten Niströhren der Mohn-Mauerbiene Hoplitis papaveris (s. Foto 2 u. 3). Das besiedelte Habitat besitzt zwar alle erforderlichen Ressourcen wie Mohn und Kornblumen (s.u.), der Standort der Niströhren erscheint mir aber nicht optimal. Es handelt sich um einen ca. 5 m breiten Randstreifen des Getreidefelds mit auffällig wenig Getreidehalmen (s. Foto 4). Es ist zu vermuten, dass auch dieser Randstreifen nach der Ernte mit umgepflügt wird und damit die Röhren empfindlich gestört werden.           

Die Art gräbt ihre Brutröhren etwa 4 cm tief in Sandböden ein und tapeziert die Röhrenwände mit Blütenblattstückchen von Mohnpflanzen (Papaver spec.), manchmal auch von Malven. Der Aushub wird, anders als bei vielen Sandbienen üblich, nicht neben dem Röhreneingang als Häufchen aufgetürmt, sondern in der weiteren Umgebung verteilt. Als Nahrungspflanzen werden Kornblumen (Centaurea cyanus), Acker-Winde (Convolvulus arvensis) und Glockenblumen (Campanula spec.) genutzt. Da die Larve bzw. die Puppe in der Röhre überwintert, sind für ein dauerhaftes Überleben der Art Lebensraumkomplexe aus Getreidefeldern und Sandbrachen unabdingbar. 
 
Dem Autor war die Mohn-Mauerbiene im Saarland bereits begegnet. Am 06.06.2004 beobachtete er diese Bienenart beim Bau ihrer Röhren auf einem Sandrasen bei Honzrath-Hellwies (WGS84: 49.434140°N, 6.747729°E). Damals waren die Habitatbedingungen dort optimal: ein Sandacker grenzte unmittelbar an einen großen Sandrasen, der wiederum nach Norden durch eine Gebüschreihe abgegrenzt wurde, was das Kleinklima in ihrem Saum zusätzlich aufheizte. Heute ist der Sandrasen bis auf wenige Quadratmeter verschwunden und durch eine Baumhecke aus Später Traubenkirsche (Prunus serotina) und Robinie (Robinia pseudoacacia) ersetzt. Das ehemalige Getreidefeld ist jetzt ein Grasbrache. Mohn und Kornblumen als Futter und Baumaterial kommen im näheren Umfeld nicht mehr vor. Trotz mehrmaliger Nachsuche konnte die Mohn-Mauerbiene 2018 hier nicht wiedergefunden werden.

 

Autor(en): 

Aloysius Staudt

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Wiederfund des Sprossenden Bärlapps (Lycopodium annotinum) im Moosbruch bei Scheiden

Datum: 

09.08.2017

Ort: 

Moosbruch bei Scheiden
Bestand des Sprossenden Bärlapps (Lycopodium annotinum) im Moosbruch. Foto: Th. Schneider, 09.08.2017
Bestand des Sprossenden Bärlapps (Lycopodium annotinum). Moosbruch bei Scheiden. Foto: Th. Schneider, 09.08.2017
Dichter Fichtenjungwuchs im Moosbruch bei Scheiden
Dichter Fichtenjungwuchs im Moosbruch bei Scheiden. Foto: Th. Schneider, 09.08.2017

Das Moosbruch bei Scheiden, das sich im Quellbereich des Lannenbaches vom Saarland bis in die Region Trier hinein ausdehnt,  hat sich in der Vergangenheit durch das Vorkommen zahlreicher seltener und gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen ausgezeichnet. Aus Mitte der 1980er Jahre waren von dort beispielsweise Vorkommen der Zweinervigen Segge (Carex binervis) und des Moorglöckchens (Wahlenbergia hederacea) bekannt. Von 1983 bis mindestens 1990 konnte im saarländischen Teil des Moosbruchs auch Lycopodium annotinum beobachtet werden, die einzige damals bekannte Stelle im Bundesland. Sturmwürfe, Aufforstung und Sukzession in dem mit Entwässerungsgräben durchzogenen Moor haben den Lebensraum zwischenzeitlich stark verändert, so dass Mitte der 2000er Jahre keine Nachweise des Sprossenden Bärlapps mehr gelang.  Die Art gilt in der Roten Liste (Schneider et al.  2008) für das Saarland als verschollen.

Im Rahmen der Neuinventarisierung der Fundstellen des Moorglöckchens im saarländischen Teilareal habe ich auch Lannenbach-Quellgebiet und das Moosbruch besucht. Seit meiner letzten Untersuchung der Fläche hat sich dort vieles verändert. Das Moosbruch - zumindest der untere, saarländische Teil - ist heute dicht mit Fichten bestanden, offen Bereiche fehlen vollständig. Nach Wahlenbergia, die in geschlossenen Waldgebieten lichtdurchflutete offene Bachläufe oder offene Stellen wie Hirschsuhlen in Bruchgebieten als Lebensraum benötigt, sucht man dort heute vergeblich. Umso erfreulicher war jedoch der erneute Nachweis von Lycopodium annotinum. Die Art konnte ich in einem Fichtenjungwuchs im saarländischen Teil des Moosbruchs auf einer ca. 3 x 3 m große Fläche beobachten. Der vital wirkende Bestand war allerdings steril, nach Sporophyllständen habe ich vergeblich gesucht.

Karte

Autor(en): 

Th. Schneider

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